Spitzenathlet im Federkleid – der Strauß im Fokus moderner Biomechanik

Dr. Nina Schaller
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt

Dass er den Kopf in den Sand steckt, sagt man ihm nach. Dass altägyptische Königinnen ihn als exklusives Reittier benutzten, ist historisch belegt. Die Wirksamkeit seiner Eier als Blitzableiter in nordafrikanischen Landstrichen darf aus naturwissenschaftlicher Sicht jedoch bezweifelt werden. Tatsache ist, dass der Strauß mit konstantem Tempo 70 für mehr als eine halbe Stunde rennen und damit leichten Fußes einem trainierten Rennpferd davonlaufen kann.
Wie schafft er das? Ein ausdauernder Läufer muss wie ein sparsames Auto Antriebsenergie möglichst verlustfrei auf einen effizienten Bewegungsapparat übertragen. Der Bewegungsapparat des Straußes verfügt daher über ganz besondere Energiesparmechanismen, um mit relativ wenig „Treibstoff“ besonders weit zu kommen: Beine in Leichtbauweise, ein „Hampelmannprinzip“, das Beinbewegungen automatisch koppelt und „eingeschnappte“ Gelenke, die die Muskulatur entlasten und das Tragen des schweren Straußenkörpers erleichtern.
Diese Strukturen, perfektioniert in 60 Millionen Jahren Evolutionsgeschichte, können auch in modernen Antriebssystemen wie Robotern eingesetzt werden oder Aufschluss darüber geben, ob zweibeinige Dinosaurier, die Vorfahren unserer heutigen Vögel, flinke Jäger oder behäbige Aasfresser waren.
Nina Schaller ist Klaus Tschira-Preisträgerin für verständliche Wissenschaft 2009.