Plastikwelt – von der Alltagswirklichkeit zur Zukunftstechnologie

Prof. Dr. Klaus Müllen,
Max-Planck-Institut für Polymer-Forschung, Mainz


Die Plastiktüte erscheint geradezu als Symbol unserer Wegwerfgesellschaft. Plastik, das ist aber auch der künstliche Hüftgelenkkopf oder der Träger zum Einschleusen einer fremden DNA in eine Zelle. Plastik, vielfach Kunststoff genannt, ist in unserem Alltag allgegenwärtig, ist aber ebenfalls die materielle Grundlage vieler Technologien, nicht zuletzt im Bereich der Energie und Elektronik. Das lässt sich leicht für energierelevante Verfahren zeigen, für Energieeinsparung ebenso wie für Energieerzeugung und Energiespeicherung. Wärmedämmung ist keineswegs als „low-tech“-Variante der Kunststofferzeugung zu sehen, und Windräder großer Spannbreite lassen sich ohne kohlefaserverstärkte Kunststoffe kaum konstruieren. Ähnliche Überlegungen gelten für elektronische und optoelektronische Bauelemente wie Solarzellen, Leuchtdioden oder Feldeffekttransistoren. Hier müssen Kunststoffe Ladungen transportieren oder mit Licht wechselwirken können.
Kunststoffe sind in hohem Maße ressourcenschonend. Die landläufig gestellten Fragen nach dem Recycling sind wissenschaftlich und technisch alle gelöst. Auf einem ganz anderen Blatt stehen politische und gesellschaftliche Entscheidungen.