Wilhelm und Alexander – Das Verhältnis Alexanders zu seinem älteren Bruder Wilhelm von Humboldt

Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Markschies
Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin


„Genialer und empfindsamer, sinnlicher und schneller Dinge und Menschen erfassend erschien anfangs der ältere, langsam, kränklich, minder erregbar der jüngere Bruder, doch selbstgefälliger und ehrgeiziger“, urteilte die Familie über Wilhelm und Alexander von Humboldt. Für beide exzellent Gebildeten waren Karrieren im Staatsdienst vorgesehen. Die hoffnungsvollen Söhne jedoch gingen ihren eigenen Weg. Wilhelm blieb dem preußischen Vaterland zeitlebens treu verbunden, war Gesandter, Bildungsreformer, Sprach-, Literatur- und Geschichtswissenschaftler. Er begründete in Berlin die deutsche Universität mit ihrer Einheit von Forschung und Lehre. Alexander schleppte seine Messinstrumente unter Einsatz seines Lebens nach Lateinamerika und Zentralasien und entwickelte die empirische Geographie. Zur Zeit des Befreiungskampfes gegen Napoleon bevorzugte er zum Missfallen seines Bruders das mondäne Paris als Wohn- und Wirkort.
Was war nun das Verhältnis der beiden Brüder zueinander? Ging es über ein familiäres hinaus?
Der Vortrag stellt den intensiven geistigen Kontakt der beiden Brüder dar, wie er aus vorhandenen Briefen und Vorworten rekonstruiert werden konnte. Es geht dabei um das Verhältnis zweier wissenschaftlicher Biografien und des jeweiligen Zugriffs auf die Welt. Das Bemühen um gegenseitiges Verstehen und das gemeinsame Ziel springen ins Auge. So wirft das Verhältnis der Gebrüder Humboldt Schlaglichter auf die Wissenslandschaft des 21. Jahrhunderts: den Graben zwischen Natur- und Geisteswissenschaften und die Zersplitterung der wissenschaftlichen Erkenntnis.