Nach 3000 Jahren ins Labor: die Analyse alter DNA

Dr. Susanne Hummel, Abteilung Historische Anthropologie und Humanökologie der Universität Göttingen

Die Analyse so genannter alter DNA ist eine junge Disziplin. Alte DNA wird aus archäologischen oder paläontologischen Funden gewonnen, die in neueren Grabungen ans Tageslicht gebracht werden oder seit Jahrhunderten in Museen ausgestellt werden. Ihr Alter reicht von unter hundert Jahren bis zu mehreren zehn Millionen Jahren. Möglich wird die Analyse alter DNA durch die PCR-Technologie (Polymerase-Kettenreaktion), mit der winzige DNA-Partikel von wenigen hundert Basenpaaren Länge prinzipiell beliebig oft amplifiziert werden können. Obwohl die PCR seit Jahrzehnten eine Standardmethode der Molekularbiologie ist, stellten sich Aufsehen erregende Erfolge bei der Analyse alter DNA erst in jüngster Zeit ein. Die Besonderheit des Probenmaterials erforderte Pioniergeist bei der Entwicklung geeigneter Methoden der Probennahme, Aufarbeitung und Identifizierung moderner Kontaminationen. Heute eröffnet sich eine Fülle möglicher Anwendungen. Derzeit wird beispielsweise die knapp 3000 Jahre alte niedersächsische Moorleiche „Moora“ genetisch untersucht.
Bei den bronzezeitlichen Skelettfunden in der Lichtensteinhöhle im Südharz handelt es sich um einen besonderen Glücksfall für die historische Anthropologie. Die DNA in Knochen und Zähnen war so gut konserviert, dass man die Skelettfunde rund 60 Individuen zuweisen, deren Geschlecht bestimmen und genetisch bedingte, individuelle Eigenschaften wie  Milchzuckervertäglichkeit, AB0-Blutgruppenzugehörigkeit, Rhesus-Unverträglichkeiten und verschiedene immungenetische Marker untersuchen konnte. Spezielle DNA-Marker gaben Auskunft über Hauttyp, Augen- und Haarfarbe. Durch die genetischen Fingerabdrücke konnte außerdem der genealogische Stammbaum der prähistorischen Toten rekonstruiert werden. Ein Speicheltest und ein besonderes Y-chromosomales Markerpanel halfen, heute lebende Verwandte  der väterlichen Familienlinie in der Region zu identifizieren.