Ökologische Gentechnik? Wie Gentechnik und Ökologie gemeinsam zu einem besseren Verständnis von Ökosystemen beitragen können

Markus Hartl,
Max-Planck-Institut für chemische Ökologi
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Die Entschlüsselung des Erbguts zahlreicher Arten ist für die Biologie von großer Bedeutung. Wir können systematisch im Buch des Lebens blättern und herausfinden, welche Gene für Entwicklung, Überleben und Fortpflanzung wichtig sind. Vom Lesen des genetischen Codes bis zum Verstehen, was er bedeutet und bewirkt, ist es allerdings ein mühsamer Weg. Gentechnische Methoden, z.B. das gezielte Ausschalten einzelner Gene, können helfen, deren Funktion zu bestimmen. Diese Methode stößt aber, wenn sie im Labor verbleibt, an Grenzen. Schließlich existiert jedes Lebewesen nicht für sich allein, sondern ist in der Natur von anderen Organismen und weiteren Einflüssen umgeben und abhängig. Deswegen kann die Funktion vieler Gene erst verstanden werden, wenn wir Lebewesen in Beziehung zu ihrem Ökosystem betrachten. Indem wir gentechnisch veränderte Pflanzen an ihrem natürlichen Standort freisetzen, beobachten und untersuchen, können wir herausfinden, wie sie in ihrer Umwelt überleben, wie sie sich daran angepasst haben und wie sie zwischen Freund und Feind unterscheiden. Eine derartige grüne Gentechnik liefert Erkenntnisse, die im Labor nicht zu erhalten sind, die aber unser Verständnis von Ökosystemen bedeutend erweitern.