Wie sieht unsere Zukunft aus – Was sollten wir wissen? Was können wir tun? Wie wollen wir leben?

Prof. Dr. Joachim Treusch, Bremen

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Dieser alte Spruch ist wahr. Er enthebt uns aber nicht der Verantwortung, unsere Zukunft zu planen. Zukunftsszenarios haben also bei allem Fehlerrisiko einen guten Sinn, wenn sie denn stetig und selbstkritisch überprüft werden. Welch unvorhersehbare Entwicklungen uns dabei überraschen können, hat uns das Jahr 2016 eindrücklich gelehrt. Dennoch – es gibt langfristige Linien:

Die rasant ansteigende Weltbevölkerung stellt uns vor große Probleme, auch wenn enorme technische Fortschritte diese vorübergehend verdecken: Das vorhergesagte Ende der Verfügbarkeit fossiler Energieressourcen verschiebt sich durch neuentdeckte Quellen, die Fortschritte der Bio- und Gentechnologie erlauben eine effektivere Lebensmittelproduktion, die rasante Entwicklung der Mikro- und Nanotechnologie sprengt mit Internet, Laptop und Smartphone alle gesellschaftlichen Vorstellungen des 20. Jahrhunderts, die mittlere Lebenserwartung steigt unaufhörlich an. Heute wird aber immer klarer, dass all diese Fortschritte Probleme nicht nur lösen, sondern sie zum Teil verschärfen, oder gar ganz neue Probleme generieren.

Die sozialen, politischen und teils kriegerischen, teils terroristischen Folgen einer global betrachtet asymmetrischen Bevölkerungsentwicklung, mit der eine asymmetrische Wohlstandsverteilung einhergeht, sind besonders an der Bruchlinie zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden dramatisch: Hungrige junge Bevölkerungen stehen satten alternden Wohlstandsgesellschaften gegenüber. Ein sich entwickelndes Gleichgewicht ist nicht zu erkennen, zumal sich der Verteilungsproblematik noch ideologisch oder religiös genährte Spannungen überlagern. Eine schnelle Lösung steht nicht in Sicht, eine langfristige Lösung kann nur in weltweiter Verbesserung der Ausbildung nachwachsender Generationen bestehen. Politik und Wissenschaft stehen in gemeinsamer Verantwortung.

Foto: Alciro Theodoro da Silva