Das Gehirn bei der Arbeit Vom Sehen zur Wahrnehmung im Affen und Menschen

Prof. Dr. Stefan Treue, 
Deutsches Primatenzentrum (DPZ) und Universität Göttingen

Unsere Augen sind hochentwickelte Sinnesorgane, die uns mit einer Fülle von detaillierten Informationen versorgen. Das erlaubt uns unter sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen sehen zu können. Aufgabe der visuellen Wahrnehmung ist es dabei, aus den einströmenden Informationen eine interne Repräsentation unserer Umwelt zu schaffen. Unsere visuelle Wahrnehmung liefert uns dafür scheinbar ein Abbild unserer Umwelt, vergleichbar mit dem, was in einer Kamera entsteht. In Wirklichkeit ist unsere Wahrnehmung aber ein aktiver Prozess. Die interne Repräsentation ist überwiegend kein Abbild, sondern ein durch unsere evolutionäre Erfahrung geprägtes und an unseren momentanen Bedürfnissen orientiertes Konstrukt. Dabei spielt unsere Fähigkeit, die Informationsverarbeitung unseres Gehirns durch Aufmerksamkeit direkt zu beeinflussen, eine wichtige Rolle. Unsere Aufmerksamkeit steuert dynamisch die Zuteilung der neuronalen Verarbeitungskapazitäten zu den von unseren Sinnen gelieferten und von uns beachteten Informationsbestandteilen. Damit erreichen wir eine sehr effiziente Wahrnehmung, allerdings mit der Konsequenz, dass sie weder vollständig noch fehlerfrei ist.

Im Vortrag werde ich diese Prozesse und ihre Auswirkungen auf unser Sehen an anschaulichen Beispielen und mit aktuellen Forschungsergebnissen erläutern.