Weiblich passiv und männlich aktiv? Sozialverhalten und Partnerwahl bei weiblich geprägten (Säugetier-)Gesellschaften aus Sicht der modernen Verhaltensforschung

Prof. Dr. Heribert Hofer, Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, Freie Universität Berlin

In der Verhaltensforschung hat es in den letzten zwei Jahrzehnten aufregende Fortschritte und bahnbrechende neue Erkenntnisse zum Sozialverhalten und der Partnerwahl bei Säugetieren gegeben, die von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieben. Dazu gehören neue Konzepte wie Versöhnung, die soziale Beziehung als Ressource oder die Bedeutung von Koalitionen als Mittel zur Festigung der eigenen sozialen Stellung. Spannende Forschungsergebnisse verdeutlichen, welche oft eleganten Taktiken beide Geschlechter im Umgang miteinander anwenden, welche Auswahlkriterien sie anlegen und wie sie gelegentlich versuchen, ihre potenziellen Paarungspartner mit hoher Kunstfertigkeit zum eigenen Vorteil zu manipulieren. Aufregende Fortschritte in dieser Hinsicht lieferten in jüngerer Vergangenheit insbesondere weiblich geprägte Säugetiergesellschaften mit komplexem Sozialverhalten wie Raubtiere, Affen, Elefanten oder Delfine.

In diesem Vortrag stelle ich die interessantesten Ergebnisse vor, bereichert durch eigene Forschungen im Freiland, etwa zu den Tüpfelhyänen in der Serengeti in Ostafrika, die wir seit über dreißig Jahren beobachten.