Was Spiderman besser wissen sollte Oder: Was wir von der Natur lernen können

Prof. Dr. Thomas Scheibel, Universität Bayreuth

Spiderman, der berühmte Comic-Held, macht aus wissenschaftlicher Sicht so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Wenn er am Schluss an Materialversagen stirbt, dann hat er nicht genau genug hingeschaut, womit die Natur sein Vorbild ausgestattet hat. 

Was fasziniert die Menschen seit langem an Spinnenseide? Das ist eine Kombination von Eigenschaften, wie man sie in dieser Zusammensetzung nirgendwo anders findet: zum einen eine besondere mechanische Eigenschaft, nämlich die Kombination einer großen Reißfestigkeit mit einer hohen Belastbarkeit, zum anderen ihre Biokompatibilität, die sie für die Medizintechnik attraktiv erscheinen lässt. Denn Spinnenseide ruft keine Allergien hervor, wirkt entzündungshemmend und wundheilungsfördernd.

Spinnenseidengene sind hoch repetitiv, was Sequenzierung und PCR-Methoden erheblich erschwert. Die eindrucksvollen mechanischen Eigenschaften der Fasern basieren auf der Bildung einer elastischen Matrix mit Einschlüssen kristalliner β-Faltblattstrukturen, die entlang der Faserachse ausgerichtet sind. Im Spinnkanal bewirkt die Dehnströmung die Ausrichtung der gelösten Seidenproteine, die für die Faserbildung von großer Wichtigkeit ist.

Von dem faszinierenden Material Spinnenseide und den technischen Möglichkeiten, dieses ohne Spinnen herzustellen, handelt dieser Vortrag ebenso wie von den ersten technischen, medizintechnischen und kosmetischen Produkten.