Krebs – Spielen Ionenkanäle eine Rolle?

Prof. Dr. Walter Stühmer
Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin, Göttingen

Ionenkanäle sind Proteine, die sich in der Zellmembran praktisch jeder Zelle befinden und den passiven Austausch von Ionen steuern. Dadurch sind sie einer der Kommunikationswege zwischen der Innen- und der Außenwelt der Zelle. Weil sie an vielen zellulären Prozessen beteiligt sind, sind sie Angriffspunkt zahlreicher Medikamente. Es wird geschätzt, dass über 50 % der gängigen Medikamente direkt oder indirekt über Ionenkanäle wirken.

In letzter Zeit zeigt sich, dass sich auch Krebszellen in der Verteilung und Funktion ihrer Ionenkanäle von gesunden Zellen unterscheiden. Daher ist es wichtig, die Rolle der Ionenkanäle bei diesen Erkrankungen zu untersuchen. Sind Mutationen oder ein verändertes Muster der Häufigkeit von Ionenkanälen nur eine Folge oder die Ursache des Krebsgeschehens? Wenn letzteres zutrifft, was regelt die Häufigkeit oder etwaig auftretende Veränderungen an diesen Proteinen?

Da nicht auf alle am Krebsgeschehen beteiligten Ionenkanäle eingegangen werden kann, wird am Beispiel eines Kaliumkanales, des so genannten Kv10.1, gezeigt, wie einige dieser Fragestellungen derzeit mit modernen gentechnischen Methoden bearbeitet werden.