Bekehrung unterm Galgen

Prof. Dr. Manfred Jakubowski-Tiessen,
Universität Göttingen

Der Vortrag stellt einen Mörder und einer Mörderin und die Pfarrer vor, die diese zum Schafott begleiteten. Aufgabe der Pfarrer war es, die zum Tode Verurteilten vor ihrer Hinrichtung zu bekehren und zu einem öffentlichen Bekenntnis ihrer Umkehr zu bewegen. Im 18. Jahrhundert wurden detaillierte Aufzeichnungen über diese Fälle verfasst, wobei in der Schilderung die Grausamkeit des Verbrechens und die Gnadenhaftigkeit der Bekehrung bewusst zueinander in Spannung gesetzt wurden. Außerdem wird vom Mord aus Lebensüberdruss die Rede sein. Die Berichte, die sowohl einen abschreckenden als auch erbaulichen Zweck hatten, wurden in speziellen Sammlungen, so genannten Malefikantenberichten, veröffentlicht. In diesen Berichten spiegeln sich Diskurse über religiöse Praktiken wider, die uns heute konsternieren und die zugleich zeigen, dass das 18. Jahrhundert nicht schlechthin das Jahrhundert der Aufklärung war. Der Vortrag wird ebenfalls die sozialgeschichtlichen Kontexte dieses außergewöhnlichen Phänomens beleuchten.